„Turner“ kratzen an der Wolkenbasis der Schwäbischen Alb

„Turner“ kratzen an der Wolkenbasis der Schwäbischen Alb

Lange Flugtage, tiefe Basis, flexible Teilnehmer und emotionale Momente: Der Salzmann-Cup 2018 auf dem Flugplatz Degerfeld in Albstadt hatte einiges zu bieten. In der Unlimited-Klasse holte sich Moritz Kirchberg den Sieg, im Advanced-Klassement landete Stefan Zistler Platz eins.

Wenn die Wettbewerbsfliegerei ihre besonderen Gesetze hat, so gilt das für den Segelkunstflug ganz besonders. Lange Tage, kurze Nächte, schnelle Entscheidungen – für Teilnehmer, Organisatoren und Jury kein Problem. Geflogen wird, wenn es der Himmel zulässt. Und da hatte das schwülwarme Wetter um Fronleichnam auf der Schwäbischen Alb einiges zu bieten: Gewitter und vor allem tiefe Wolkenbasis. Bei den Startern der beiden Klassen – die „Sportsmen“ gingen mangels Masse bei den „Advanced“-Klasse ins Rennen – trübte das die Stimmung nicht. Bei den Segelkunstfliegern geht es traditionell unverkrampft und familiär zu.

Das sagt allerdings nichts über den sportlichen Ehrgeiz aus, im Gegenteil. Die Startbereitschaft wurde an zwei Tagen auf 06.00 Uhr terminiert und nach Auflösung des Bodennebels gingen erste Schlepps um 07.00 Uhr raus. Die letzte Landung am Samstagabend erfolgte um 21.28 Uhr Ortszeit. Gregor Wilke, zusammen mit Martin Krämer Hauptorganisatoren von Seiten des Gastgebenden LSV Degerfeld, sind am Ende mehr als zufrieden. Beide kennen sich in der Szene gut aus, waren Mitglieder der Nationalmannschaft. „Beide Klassen sind drei Programme geflogen“, resümiert Wilke am Ende, „da wurde richtig was bewegt.“

Die insgesamt 37 Starter brachten es zusammen auf rund 230 Wertungsflüge und dazu noch etwa 40 Trainingsstarts. An einem Tag gingen 127 Schlepps raus. Teils ließ die Wolkenuntergrenze nur Ausgangshöhen von 850 statt der üblichen 1250 Meter zu. Mehrfach fiel die Entscheidung dann auf ein „Split-Programm“. Drei Figuren wurden kurzerhand gestrichen.

Für das Degerfeld war es die Premiere als Austragungsort für einen Segelkunstflug-Wettbewerb. Aus Sicht der Verantwortlichen und Gästen aus ganz Deutschland sowie der Schweiz und Österreich hat es offenbar gepasst. „Die Rückmeldungen waren äußerst positiv. Wir haben sehr freundliche Reaktionen erhalten“, so Wilke. Für die Premiere sei es „ganz große Klasse“ gewesen, die Stimmung beim Briefing, am Start und rund um die Wagenburg der Teilnehmer hat er als „sehr gut“ wahrgenommen.

Sportlich sind die Organisatoren ebenfalls mehr als zufrieden. Die Leistung bei der „kleinen DM“ sei hoch gewesen, vor allem in der Unlimited-Klasse. „Die Plätze eins bis zehn waren im Prinzip auf Nationalmannschafts-Niveau“, lobt Gregor Wilke. Dabei war der Kampf die Plätze eins und zwei eine klare Angelegenheit. Moritz Kirchberg und der zweitplatzierte Sebastian Dirlam dominierten das Feld durch alle drei Durchgänge, Rang drei sicherte sich Eberhard Holl durch konstant gute Wertungen. Noch enger ging es punktemäßig bei den Podest-Plätzen in der Advanced-Klasse zu.

Darüber hinaus ist der Salzmann-Cup des Fördervereins Segelkunstflug im BWLV auch immer ein Klassentreffen. Fünf der acht Mitglieder der Nationalmannschaft von 2001 waren da, freuen sich Wilke und Krämer. Den Sonderpreis „Salzmann des Jahres“ für herausragende Verdienste um den Segelkunstflug erhielt übrigens Eugen Schaal, sei 1989 Kunstflieger, Mitglied der Nationalmannschaft, Ex-Weltmeister und heute unter anderem als Schiedsrichter engagiert. Die Anreise hielt sich für ihn diesmal in Grenzen; er ist beruflich von Paderborn in den Raum Karlsruhe umgezogen. Besonderes emotionales Erlebnis: Martin Hofmann und Wilhelm „Salzmann“ Düerkop, beides Granden der Szene, verfolgten die Flüge an einem Wertungstag. „Das war schon toll und ein echtes Erlebnis. Wilhelm hatte am Abend Freudentränen in den Augen“, so Gregor Wilke. Für Düerkop (89) war es praktisch ein Heimspiel. Seinen Spitznamen erhielt er durch seinen Beruf als Steiger im Salzbergwerk Haigerloch-Stetten, wie das Degerfeld im Zollernalbkreis gelegen.

Darüber hinaus darf der Salzmann-Cup 2018 als echte Werbung für den Luftsport verbucht werden. Neben Fachmedien berichteten nicht nur zwei regionale Tageszeitungen mehrfach und ausführlich über den Wettbewerb, sondern auch zwei Fernseh-Sender, darunter der SWR in seinen Haupt-Abendnachrichten. Unterstützt wurde der Wettbewerb von mehreren Unternehmen im Zollernalbkreis, darunter Holzbau Maag, Ergosana und die Werkzeugfabrik Hermann Diebold.

Die Ergebnisse:

Advanced-Klasse:

  1. Platz: Stefan Zistler, FTAG Esslingen, MDM-1 Fox, 3050,38 Punkte

  2. Platz: Holger Geusen, LSV Hegenscheid, SZD-59 Acro, 2979,74 Punkte

  3. Platz: Sebastian Scholz, LSV Hayingen, MDM-1 Fox, 2975, 41 Punkte.

 

Unlimited-Klasse:

  1. Moritz Kirchberg, AeC Bad Neuheim, Swift S1, 4711,94 Punkte

  2. Sebastian Dirlam, LfV Bottrop, MDM-1 Fox, 4581,97 Punkte

  3. Eberhard Holl, FSC Mühlacker, Swift S1, 4367,96 Punkte

 

Alle Ergebnisse:

www.pilot-media.de

 

Puls unten, Nase hoch: Zwei geduldige Lehrer feiern gemeinsam ein rundes Jubiläum

Ein Doppel-Jubiläum begeht der Luftsportverein (LSV) Degerfeld: Das Segel-Schulflugzeug ASK-13 und Fluglehrer Ferdinand Karreis sind jetzt beide seit 1968 im Dienst. Das gibt’s selbst im Fliegerland Baden-Württemberg nicht alle Tage.

 

Die „13“ mit dem Kennzeichen D-9064 steht meist weit vorne in Tornähe der großen Segelflughalle. Das hat seinen Grund. Wenn Flugbetriebstag auf dem Degerfeld ist, kommt sie meistens als erstes raus und wird als letztes wieder hineingeschoben. Der Schulbetrieb ist das Rückgrat am Platz. 23.667 Starts und 6465 Flugstunden stehen aktuell in den Bordbüchern der Maschine. „Wenn Besucher in unsere Halle kommen, können sie meist gar nicht glauben, dass die Maschine schon so alt ist“, sagt Karreis, „wir pflegen unser Material halt.“

 

Mehrfach in den vergangenen 50 Jahren erhielt D-9064 schon eine Grundüberholung. Dabei wurde die Maschine komplett neu bespannt und lackiert, die Außenhaut wie das Innenleben. Rumpellandungen von Anfängern steckt die solide Konstruktion klaglos weg. „Sie ist nie kaputt gewesen, war immer komplett bruchfrei“, sagt Ferdiand Karreis. Was ihn beeindruckt: Generationen von Flugschülern, in Summe mehrere hundert, haben auf ihr die prägendsten Momente ihrer Fliegerlaufbahn erlebt: die Grundschulung und den ersten Alleinflug. „Auch innerhalb von Familien. Heute schulen die Enkel der ersten Schülergeneration auf ihr“, so der Lehrer, „das ist schon denkwürdig, oder?“

 

Bei jeweils hunderten Starts im Dienstleben von D-9064 saßen Karreis und Dieter Beck, seit schon 52 Jahren Fluglehrer am Platz, auf dem hinteren Platz des Schul-Doppelsitzers. Die Sicht durch die große Plexiglashaube sei phantastisch, schwärmen sie. Da sieht man auch was von der Landschaft. Darüber hinaus sei sie bis heute ein „Top-Schulflugzeug“. Sie verzeihe Fehler, zeige aber jederzeit direkt an, wenn was nicht passt. „Optimal, um die grundlegenden Fertigkeiten im Segelflug zu erlernen.“ Die ASK-13 verlange stets präzise Steuereingaben des Piloten. Und sie steige schön in der Thermik. Mit ihrer rot-gelben Lackierung ist die Maschine mit 16 Metern Spannweite und leicht nach vorne gepfeilten Tragflächen auch jederzeit gut auszumachen am Himmel.

 

Karreis (72) ist wie alle Fluglehrer im Verein ehrenamtlich tätig. Damals, als Student der Ingenieurwissenschaften, war er der jüngste Teilnehmer des Fluglehrer-Lehrgangs. 1968 tobten die Studenten-Unruhen. „Meine Kommilitonen gingen auf die Straße, ich auf den Flugplatz“, so Karreis, „halleluhjah, das waren vielleicht Zeiten.“ Die Fluglehrerausbildung veränderte auch sein Berufsleben. Er habe festgestellt, dass er mit Menschen gut umgehen und ihnen was beibringen könne. Deshalb absolvierte er noch ein komplettes Studium und sattelte um auf Lehrer. Seit ein paar Jahren ist er in Pension. Dieses und nächstes Jahr noch, dann will er auch seine Fluglehrer-Linzenz nicht mehr verlängern. „Ich will nicht einer der Kalk-Eimer werden, denen man durch die Blume sagt, es sei vielleicht an der Zeit, aufzuhören“, so Karreis, gebürtiger Rottweiler. Wie viele Schüler durch seine Hände gegangen sind, kann er auf Anhieb nicht sagen. Viele jedenfalls.

 

Selbst nach mehr als fünf Jahrzehnten hat für ihn der motorlose Flug nichts von seinem Reiz verloren. Er räumt bis heute regelmäßig Preise für die besten Flüge des Jahres im Verein ab. Die Erfahrung macht's, und auch die Tatsache, dass seine Frau Moni das Leben als Camper auf dem Flugplatz teilt. Segelflug sei anspruchsvoll, vereine Wissen in Mathematik, Meteorolgie, Technik und mehr in sich. „Man muss sich auf das Wetter einstellen können“, so Karreis. Wenn dann auf einem Streckenflug über mehrere hundert Kilometer plötzlich der Main oder der Pfälzer Wald unter den Tragflächen durchhuschen, sage man sich: „Hoppla, wow.“ Was den Schüler vor Rätsel stellt, macht für ihn den Reiz aus: Jeder Flug sei anders, jedes Mal. Die optischen Eindrücke, der Wandel der Vegetation im Lauf der Jahreszeiten, die Aufwinde, alles. „Das ist toll und spannend“. Und wenn die Plexiglas-Haube des Cockpits verriegelt ist und sich das Schleppseil zum Start strafft, ist Karreis zwar geistig hellwach, aber der Blutdruck geht runter. Er hat es mal gemessen: „Puls ganz unten. Von jetzt auf gleich.“

SalzmannCup 2018 auf dem Degerfeld


Der Salzmanncup, der Vereins Segelkunstflugwettbewerb, findet dieses Jahr auf dem Gelände des LSV-Degerfeld auf der schönen Schwäbischen Alb statt. 

Termin: 30. Mai bis 03. Juni 2018  

Die Ausschreibung ist ab dem 14. März 2018 online !

Auf der Seite www.segelkunstflug.com/salzmanncup-2018 werden alle notwendigen Informationen rund um den Wettbewerb zu finden sein.

Kleine Deutsche Meisterschaft im Segelkunstflug kommt nach Albstadt

Stille Präzisionsarbeit am Himmel über dem Degerfeld: Der Luftsportverein ist vom 31. Mai bis 3. Juni, Donnerstag bis Sonntag, Gastgeber des Salzmann-Cups 2018. Der Wettbewerb gilt als die „kleine Deutsche Meisterschaft“ im Segelkunstflug.

Dazu werden rund 50 Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet erwartet. Offizieller Veranstalter ist der Förderverein Segelkunstflug im Baden-Württembergischen Luftfahrtverband (BWLV), Schirmherr des Traditionswettbewerbs, der erstmals auf dem Platz zwischen Tailfingen und Bitz ausgetragen wird, Albstadts OB Klaus Konzelmann.

Die Teilnehmer treten in drei Wettbewerbsklassen an: „Sportsman“ für Einsteiger, „Advanced“ für Fortgeschrittene und „Unlimited“ für Profis. In der höchsten Klasse fliegen die Leistungssportler Figuren mit einer Fliehkraftbelastung von bis zur sechsfachen Erdbeschleunigung.

 Der LSV Degerfeld bittet die Anlieger um Verständnis für das erhöhte Flugaufkommen. Der Kunstflug findet direkt über dem Degerfeld statt und ist lautlos. Jedoch müssen die Segelflugzeuge mit Motormaschinen auf die Ausgangshöhe von 1250 Metern gebracht werden. Der Verein weist die Schlepp-Piloten an, bewohntes Gebiet zu meiden; außerdem soll es unterschiedliche Schlepp-Routen geben. Bewohner sollen so wenig wie möglich gestört werden.

 Die Organisatoren von Seiten des LSV Degerfeld sind ebenfalls Segelkunstflieger: Gregor Wilke und Martin Krämer waren lange Jahre Mitglieder der Deutschen Nationalmannschaft, das Trio wird von Martin Schick vervollständigt.

Übrigens: Der Wettbewerb hat eine enge Verbindung zum Zollernalbkreis. Namensgeber ist Wilhelm Düerkop, in Fliegerkreisen als „Salzmann“ bekannt. Über Jahrzehnte hinweg förderte er den Segelkunstflug im Land. Seinen Spitznamen bekam er durch seinen Beruf als Steiger im Salzbergwerk Stetten/Haigerloch.

 

Hauptversammlung 2018

Schöne Erfolge, aber auch gewaltige Arbeit vor und hinter den Kulissen: Der Luftsportverein (LSV) Degerfeld ist auf Kurs. Mit teilerneuerter Führungsmannschaft gehen die Flieger in die neue Saison. Sie haben einiges vor. 

Bilanz zogen Vorstand und Mitglieder am Freitag in der Flugplatz-Gaststätte. Vorsitzender Hans-Gudio Voss ist zufrieden: „Die Gemeinschaft funktioniert.“ Wie leistungsfähig und -bereit die Mitglieder seien, hätte das Flugplatzfest 2017 gezeigt. Laut Vorstand war es mit Abstand das erfolgreichste der vergangenen Jahre. „Wir haben enorm viele positive Rückmeldungen bekommen, von den Besuchern und von der Stadt“, so Voss. Die Mitglieder hätten an der Belastungsgrenze gearbeitet und gezeigt, „was wir können“. Die Gemeinschaft im LSV funktioniere, die Jugendabteilung sei „engagiert und extrem aktiv“. Verabschiedet wurde aus dem Vorstand Siegmar Engelfried, Vize-Vorsitzender und zwölf Jahre lang Hauptorganisator des Flugplatzfests. Er werde den Stellvertreter „mit seiner pragmatischen und direkten Art“ sehr vermissen. Probleme bereiten laut Voss hingegen die „ausufernden behördlichen Auflagen“, nicht nur in der Fliegerei, sondern im Vereinsleben überhaupt. Eine Reihe von Klubs sei dazu übergegangen, Geschäftsführer einzustellen, um den formalen Aufwand überhaupt noch bewältigen zu können. Der LSV sei hingegen durchgehend ehrenamtlich geführt und solle das auch bleiben. 

Finanziell ist der Verein solide aufgestellt, berichtete Kassierer Kai Gminder.  Dank Flugplatzfest, Spenden von Firmen aus dem Zollernalbkreis und Zuschüssen des Landesluftfahrtverbands BWLV konnte der Verein in neue Hallentore, einen neuen Traktor zur Pflege des 100.000 Quadratmeter großen Fluggeländes, einen Austauschmotor für ein Flugzeug, die Grundüberholung eines Motorflugzeugs und in Sicherheitstechnik für Segelflugzeuge investieren. Rücklagen für den Bau einer neuen Abwasserentsorgung sowie eine Planungsrate für den Bau eines neuen Vereinsheims seien vorhanden. Der Verein habe aktuell 260 Mitglieder, die Hälfte davon seien aktive Piloten. Der Flugzeugpark sei „gut ausgelastet“.

Was sich in der LSV-Flugschule mit derzeit 14 ehrenamtlichen Segelflug-Lehrern und fünf Motorfluglehrern tut, berichtete Ausbildungsleiter Ramon Binder. Zuletzt hatte der Verein 23 Flugschüler in Ausbildung. Voriges Jahr gab zwei neue Motorfluglizenzen, einen Segelflugschein und drei neue Berechtigungen für Motorsegler. Auch die Werkstatt-Mannschaft um Leiterin Ines Pfabe wurde rechtzeitig fertig mit der Wartung der Flotte (wir berichteten). Weitere, junge Technikwarte sollen zu Lehrgängen des Landesverbands geschickt werden. Aktuell hat die Jugendabteilung 26 Mitglieder, so Jugendleiter Tom Ebert. Sie seien „motiviert dabei“ und planen auch für diesen Sommer ein Fluglager am Platz. 

Ehrenvorsitzender Manfred Birk nannte das Degerfeld ein „Fliegerparadies“, es gebe aber „viele Bedrängnisse von Außen“, etwa wachsender Bürokratismus oder Pläne für Windkraftanlagen direkt in Platznähe. Der „Traum vom Fliegen“ sei sehr alt. Ein Verein mache es erst möglich, dass sich jedermann es leisten könne, ihn zu erfüllen. Er rief alle Mitglieder dazu auf, das „Getriebe Vereinsgefüge“ durch eigenen Einsatz stets zu ölen. 

Der Verein ernannte seinen langjährigen Funktionär Günter Horn zum Ehrenmitglied. Horn ist seit 51 Jahren Mitglied im LSV und stellte sich 43 Jahre davon als Funktionär zur Verfügung. 30 Jahre lang, bis 2012, war er Kassierer. Seit 2012 ist er Kassenprüfer. Der Bankfachwirt galt als einer der Garanten einer vorsichtigen und soliden Finanzierung des Vereins. Langjährige Mitglieder des LSV zeichnete Dieter Beck, zuständiger Präsidialrat des Landesluftfahrtverbands, aus. Bei den Wahlen gab es eine Reihe von Veränderungen in Vorstand und Ausschuss (Info). 

Für das laufende Jahr plant der LSV wieder sein Flugplatzfest, das wie gehabt am letzten Augustwochenende stattfindet. Am langen Wochenende um Fronleichnam, 31. Mai, findet der Salzmann-Cup auf dem Degerfeld statt. Zu diesem Wettbewerb im Segelkunstflug werden rund 50 Teilnehmer aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland in Albstadt erwartet. Schirmherr des Wettbewerbs ist Albstadts Oberbürgermeister Klaus Konzelmann. 

Wahlen und Ehrungen:

Wahlen: Vorsitzender Hans-Guido Voss, stellvertretende Vorsitzende Harald Birk und Norbert Erbe, Kassierer Kai Gminder, Ausbildungsleiter Martin Schick, Hauptflugleiter Sebastian Gärtner, Werkstattleiterin Ines Pfabe, Schriftführer Dirk Schädlich, Jugendleiter Tom Ebert, Pressereferent Volker Rath, Platz- und Hallenwart Peter Fischer, Fahrzeugwart Axel von Reth, Kassenprüfer Günter Horn und Hans Straubinger, Ausschussmitglieder Bernhard Gestrich, Dieter Schempp, Dietmar Heck und Volker Wissmann. 

Ehrungen: Silberne Ehrennadel des Baden-Württembergischen Luftfahrtverbands (BWLV): Norbert Erbe. Bronzene Ehrennadel des BWLV: Hermann Diebold, Dirk Schädlich und Kai Gminder. Ehrenmitglied: Günter Horn. 

 

Die Gewählten und Geehrten des LSV Degerfeld mit dem alten und neuen Vorsitzenden Hans-Guido Voss (Zweiter von rechts). Foto: LSV Degerfeld

Schnee weg – dann kann die neue Flugsaison beginnen

LSV Degerfeld macht seine Flotte klar / Prüfer lobt engagierte Vereinsjugend

Im Prinzip startklar, jetzt muss nur noch der Schnee schmelzen: Der Luftsportverein (LSV) Degerfeld macht sich hinter den Werkstatttüren fit für die neue Saison.

Der Großteil der Flotte von 14 Maschinen – darunter drei Motor- und elf Segelflugzeuge – ist gewartet und hat von den Prüfern des Baden-Württembergischen Luftfahrtverbands bereits den sogenannten Nachprüfschein erhalten. Das ist sozusagen der TÜV für Flugzeuge. Die Maschinen wurden für lufttüchtig befunden. „Was dem Prüfer besonders aufgefallen war, ist unsere engagierte und interessierte Jugendmannschaft“, sagt die Werkstattleiterin des LSV, Ines Pfabe.

Sie und rund 50 weitere Helfer in der Werkstatt-Truppe haben die Winterabende und -wochenenden genutzt, die Flugzeuge genau zu befunden, zu reinigen, kleinere Blessuren zu reparieren und Verschleißteile nach vorgeschriebenem Wartungsintervall auszutauschen. Rund 20 Stunden Wartung stecken durchschnittlich in einem Segelflugzeug, so Pfabe. Bei den Schulflugzeugen, die praktisch im Dauerbetrieb sind und alleine schon deshalb mehr beansprucht werden, sei der Aufwand höher. Traditionionell sind die Flugschüler in die technische Arbeit eingebunden; Eigenleistung ermöglicht nicht nur die günstigen Flugkonditionen, die der Verein anbietet. Gleichzeitig lernen die Schüler mehr über Technik und Funktionsweise der Maschinen.

Ganz durch ist die Truppe noch nicht mit der Winterarbeit. „Zwei Flugzeuge stehen aktuell noch in der Werkstatt. Außerdem müssen technische Geräte wie die Seilwinder noch gewartet werden“, so Pfabe. „Aber danach sollten wir wieder gut aufgestellt sein.“ Sorge, dass ihr die Arbeit ausgehen könnte, hat die junge Werkstattleiterin trotzdem nicht.

Indessen ist eine kleine Mannschaft von erfahrenen Schraubern des LSV Degerfeld dabei, die leistungsstarke Schleppmaschine vom Typ „Husky“ total zu restaurieren. Sie wurde komplett zerlegt und überholt. Der Stahlrohrrumpf ist neu lackiert und frisch bespannt, jetzt läuft der Einbau von Technik und Interieur. Unzählige Arbeitsstunden stecken drin. Aber es gehe mittlerweile gut voran. Nach Abschluss der Arbeiten stehe das Flugzeug praktisch da wie neu. 

Unter den kritischen Augen des Verbandsprüfers führten die Mitglieder des LSV Degerfelds ihre Maschinen zur Jahresabnahme vor.
Noch ist das Degerfeld winterlich. Wenn der Schnee weg ist, kann die neue Saison beginnen.

Momente für die Ewigkeit

Fritz Lebherz ist tot. Das Bitzer Urgestein und Mitbegründer des Luftsports im Raum Albstadt nach dem Zweiten Weltkrieg starb vergangene Woche,  kurz vor seinem 92. Geburtstag.

 

Die Nachricht machte im Luftsportverein (LSV) Degerfeld rasch die Runde. Wenngleich er schon einige Jahre nicht mehr selbst am Steuerknüppel gesessen hatte, war er dennoch bis zuletzt regelmäßig zu Gast auf seinem Flugplatz.

 

Mit Lebherz starb einer der letzten Zeitzeugen, die die Anfänge der Fliegerei im Raum Albstadt noch selbst miterlebt hatten. Er selbst hatte 1940 seine Segelflug-Ausbildung begonnen. Wie seinerzeit üblich, absolvierte Lebherz seine erste Starts auf dem Schulgleiter (SG) 38. Diese Hüpfer am Hang dauerten nur Sekunden. Zwei Jahre später absolvierte er auf der Teck die sogenannte B-Prüfung.

 

Als die Alliierten 1951 den Segelflug nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland wieder erlaubten, nahm die Fliegergruppe Bitz umgehend den Betrieb auf. Fritz Lebherz war mit dabei. Mit gespendetem Material und einfachsten Mitteln baute die Gruppe zwei Segelflugzeuge in Eigenregie auf. Zusammen mit den Fliegergruppen aus Tailfingen und Ebingen nutzten die Bitzer schon seinerzeit das Degerfeld als Fluggelände. 1966 erfolgte der Zusammenschluss zum heutigen LSV Degerfeld mit rund 250 Mitgliedern.

 

Fritz Lebherz hat für fliegerische Leistungen zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter die Gold-C mit drei Diamanten – seinerzeit das höchste Leistungsabzeichen, das für Segelflüge vergeben wurde. 2012 ernannte der LSV Degerfeld Fritz Lebherz zum Ehrenmitglied des Vereins. Er flog noch selbst Segelflugzeuge und den Motorsegler des Vereins, als er weit über 80 Jahre alt war.

 

Seinen spektakulärsten Flug absolvierte Fritz Lebherz am 21. April 1981: Mit dem „Cirrus“ des Vereins flog er an diesem Tag fast 600 Kilometer weit und landete auf einer Wiese nordwestlich von Paris. Die französische Polizei organisierte ihm eine Übernachtungsmöglichkeit und für die Maschine einen sicheren Abstellplatz. Seine Vereinskameraden holten ihm tags darauf mit dem Auto und Anhänger ab. Damit ging er in die Annalen des Vereins ein. Fritz Lebherz erzählte zuletzt viel von diesem Flug – für ihn persönlich und in der Vereinsgeschichte ein Moment für die Ewigkeit.

 

Ein besonderes emotionales Erlebnis hatte er auch 2008. Anlässlich des 75. Jubiläums des Flugplatzes Degerfeld hob dort erstmals nach rund 70 Jahren wieder ein Schulgleiter 38 ab, eine originalgetreue Replika des Baden-Württembergischen Luftfahrtverbands (BWLV). Fritz Lebherz war dabei, mit anderen Veteranen, um von den widrigen Anfängen des Luftsports zu erzählen: 15 Flugschüler drängelten sich damals um den SG 38, nachdem sie den Flieger mit der Handkarre von Bitz her- und den Hang hinaufgeschoben hatten. 13 Stunden Schufterei mit einer vagen Hoffnung, in die Luft zu kommen. „Wenn man pro Tag einmal dran kam, war man glücklich“, berichtete Lebherz.